Eine weiße Schüssel, gefüllt mit Haferflocken, vor hellem Hintergrund. Die Flocken sind grob und naturbelassen und dienen als Basis für Hafermilch.

Haferflocken sind nicht basisch: warum sie trotzdem auf den Teller dürfen

 

Haferflocken sind nicht basisch. Mit einem PRAL-Wert von 10,7 sind sie sogar der stärkste Säurebildner unter den gängigen Frühstücksflocken. Wer das liest und gerade seinen Porridge löffelt, kann trotzdem entspannt weiteressen, denn in der basischen Ernährung zählt nicht nur der PRAL-Wert, sondern auch, was ein Lebensmittel sonst noch mitbringt. Und da liefern Haferflocken einiges: Beta-Glucan für den Cholesterinspiegel, Eisen, Magnesium, Zink und 10 Gramm Ballaststoffe pro 100 Gramm. In der Sprache des Säure-Basen-Haushalts heißt das: guter Säurebildner. Was genau dahintersteckt und wie dein Haferflocken-Frühstück trotzdem basisch-freundlich wird, erfährst du hier.

Sind Haferflocken basisch oder sauer? Die klare Antwort

Haferflocken haben einen PRAL-Wert von 10,7. PRAL steht für Potential Renal Acid Load und misst, wie stark ein Lebensmittel die Säurebelastung der Nieren beeinflusst. Positive Werte bedeuten säurebildend, negative basisch. Mit 10,7 liegen Haferflocken klar im säurebildenden Bereich.

Zur Einordnung: Haferflocken bilden fast dreimal so viel Säure wie Buchweizen (+3,7) und gut sechsmal so viel wie geschälter Reis (+1,7). Selbst im Vergleich zu Weizen (+6,9) oder Dinkel (+8,8) fallen Haferflocken auf. Der Grund liegt im hohen Proteingehalt von 13,5 Gramm pro 100 Gramm und im Phosphorgehalt von 430 Milligramm. Beides sind die Haupttreiber in der PRAL-Formel.

Trotzdem wäre es ein Fehler, Haferflocken wegen ihres PRAL-Werts zu streichen.

Ein Glas Hafermilch steht auf einem hellen Hintergrund, umgeben von verstreuten Haferflocken. Die Szene zeigt das fertige Getränk sowie seine pflanzliche Grundlage.

Guter Säurebildner vs. schlechter Säurebildner: warum der Unterschied zählt

Die basische Ernährung kennt eine Unterscheidung, die der PRAL-Wert allein nicht abbildet: gute und schlechte Säurebildner.

Gute Säurebildner haben zwar einen positiven PRAL, liefern dem Körper aber gleichzeitig wertvolle Nährstoffe. Haferflocken gehören in diese Gruppe. Sie versorgen den Körper mit Beta-Glucan, einem löslichen Ballaststoff, der nachweislich den Cholesterinspiegel senkt. Das hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bestätigt. Dazu kommen 5,8 mg Eisen, 130 mg Magnesium und 4,3 mg Zink pro 100 Gramm.

Schlechte Säurebildner haben einen vergleichbaren oder sogar niedrigeren PRAL, bringen aber kaum etwas mit. Ein Weißmehlbrötchen kommt auf einen PRAL von rund +4, liegt also deutlich unter Haferflocken. In der Gesamtbilanz schneidet es trotzdem schlechter ab, weil es weder nennenswerte Ballaststoffe noch Mineralstoffe liefert.

Der PRAL-Wert ist deshalb nur die halbe Wahrheit. Haferflocken mit ihrem PRAL von 10,7 sind für den Säure-Basen-Haushalt sinnvoller als ein Weißmehlbrötchen mit PRAL 4, weil die mitgelieferten Mineralstoffe die Säurelast teilweise kompensieren. In der 80/20-Regel der basischen Ernährung gehören Haferflocken zu den 20 Prozent erlaubter Säurebildner, und dort sind sie bestens aufgehoben.

PRAL-Werte: Haferprodukte im Vergleich

Nicht alle Haferprodukte belasten den Säure-Basen-Haushalt gleich stark. Je nach Verarbeitung verschiebt sich der PRAL.

 

Haferprodukt

PRAL-Wert

Anmerkung

Haferflocken (zart oder kernig)

+10,7

Stärkster gängiger Frühstücksflocken-Säurebildner

Hafermehl

ca. +12

Höher konzentriert, etwas mehr Säurelast

Hafermilch / Haferdrink

nahe 0

Stark verdünnt, praktisch neutral

Gekeimte Haferflocken

nahe 0 bis leicht basisch

Keimung verbessert Mineralprofil

 

Zwischen zarten und kernigen Haferflocken gibt es keinen PRAL-Unterschied. Beide werden aus dem ganzen Haferkorn hergestellt, nur die Flockendicke variiert. Auch die Frage, ob Vollkorn-Haferflocken basischer sind, lässt sich schnell beantworten: Handelsübliche Haferflocken sind immer Vollkorn, weil sie aus dem ganzen Korn gewalzt werden.

Gekeimte Haferflocken, die basische Alternative

Wer Haferflocken liebt und gleichzeitig auf den Säure-Basen-Haushalt achtet, sollte gekeimte Haferflocken kennen. Beim Keimen wird das Enzym Phytase aktiviert, das die im Hafer enthaltene Phytinsäure deutlich abbaut. Phytinsäure bindet Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium und Zink und macht sie für den Körper schwerer verfügbar. Weniger Phytinsäure bedeutet bessere Mineralstoffaufnahme, und der effektive PRAL verschiebt sich in Richtung basisch.

In der basischen Ernährung gelten gekeimte Haferflocken als basenbildend. Die Wacker-Methode, eines der bekanntesten Basenfasten-Konzepte, erlaubt sie ausdrücklich. Geschmacklich sind sie nussiger als herkömmliche Haferflocken und lassen sich genauso verwenden: als Porridge, im Müsli oder zum Backen. Gekeimte Haferflocken findest du im Reformhaus, in Bio-Supermärkten und online.

Hafermilch und Haferdrink

Hafermilch hat einen PRAL nahe null. Der Grund ist simpel: Sie besteht zu rund 90 Prozent aus Wasser. Die säurebildenden Bestandteile des Hafers sind so stark verdünnt, dass sie kaum ins Gewicht fallen. Wer Kuhmilch (PRAL +0,7) durch Hafermilch ersetzt, verändert die Säurelast seines Frühstücks zwar nur minimal, weil Kuhmilch ohnehin fast neutral ist. Aber Hafermilch liefert kein tierisches Eiweiß, das zu den stärkeren Säurebildnern zählt. Für die Gesamtbilanz einer Mahlzeit ist dieser Tausch trotzdem sinnvoll.

Haferflocken vs. andere Frühstücksflocken im Säure-Basen-Vergleich

Wer morgens Flocken isst, hat mehrere Optionen. Die Unterschiede im PRAL sind größer, als man erwarten würde – den vollständigen Überblick aller Getreidesorten im Säure-Basen-Vergleich findest du in unserem Ratgeber zu basischem Getreide.

 

Frühstücksflocken

PRAL-Wert

Einordnung

Buchweizenflocken

ca. +3,7

Schwach säurebildend

Hirseflocken

ca. +8,6

Stärker säurebildend

Dinkelflocken

ca. +8,8

Stärker säurebildend

Haferflocken

+10,7

Stark säurebildend

 

Buchweizenflocken sind mit +3,7 die basisch-freundlichste Alternative unter den Flocken. Wer seinen Morgenporridge aus reiner Säure-Basen-Sicht optimieren möchte, kann Buchweizen als Basis wählen. Allerdings liefern Haferflocken deutlich mehr Beta-Glucan und Ballaststoffe als Buchweizen. Die Entscheidung hängt davon ab, was dir wichtiger ist. Ein Kompromiss: Haferflocken und Buchweizenflocken im Verhältnis 1:1 mischen. Das halbiert die Säurelast und bringt das Nährstoffprofil beider Flocken in eine Schüssel.

3 Strategien, wie dein Haferflocken-Frühstück basisch-freundlich wird

Haferflocken haben einen PRAL von 10,7, aber eine Portion Porridge besteht ja nicht nur aus Flocken. Mit den richtigen Zutaten wird die Gesamtbilanz deiner Schüssel sogar leicht basisch.

1. Mit basischem Obst kombinieren. Bananen haben einen PRAL von -5,5 pro 100 Gramm, Erdbeeren liegen bei -2,2. Eine Banane und eine Handvoll Beeren reichen rechnerisch aus, um die Säurelast von 50 Gramm Haferflocken vollständig auszugleichen. Das Porridge kippt dadurch in der Gesamtbilanz auf die basische Seite.

2. Pflanzenmilch statt Kuhmilch verwenden. Hafermilch, Mandelmilch oder Reismilch haben einen PRAL nahe null. Kuhmilch liegt zwar auch nur bei +0,7, aber jeder kleine Beitrag zählt. Wer seinen Porridge mit Pflanzenmilch und Obst zubereitet, hat ein basisches Frühstück, das trotzdem satt macht.

3. Gekeimte Haferflocken als Tausch. Die einfachste Strategie: herkömmliche Haferflocken durch gekeimte ersetzen. Die Zubereitung bleibt identisch, der PRAL sinkt auf nahe null. Geschmacklich sind gekeimte Haferflocken etwas nussiger, was viele sogar bevorzugen.

Haferflocken beim Basenfasten: erlaubt oder tabu?

Beim strikten Basenfasten sind herkömmliche Haferflocken tabu. Das Basenfasten erlaubt ausschließlich basische Lebensmittel, und mit einem PRAL von +10,7 fallen normale Haferflocken klar in die Kategorie Säurebildner.

Die Ausnahme sind gekeimte Haferflocken. Die Wacker-Methode erlaubt sie beim Basenfasten, weil sie durch die Keimung als basenbildend gelten. Wer während einer Basenfasten-Kur nicht auf sein Porridge verzichten möchte, greift zur gekeimten Variante. Außerhalb des Basenfastens, also bei der 80/20-Regel der basischen Ernährung, sind normale Haferflocken ohnehin kein Problem. Sie fallen in die 20 Prozent guter Säurebildner und belasten das Säure-Basen-Gleichgewicht weniger als Brot, Nudeln oder Fleisch.

Häufige Fragen rund um Haferflocken und basische Ernährung

Haferflocken lassen sich nicht durch Kochen oder Einweichen basisch machen. Der PRAL-Wert bleibt bei +10,7, egal ob die Flocken roh, gekocht oder als Overnight Oats zubereitet werden. Der einzige Weg zu basischen Haferflocken führt über die Keimung. Gekeimte Haferflocken durchlaufen einen mehrtägigen Keimprozess, bei dem Phytinsäure abgebaut und Mineralstoffe besser verfügbar werden. Fertig gekeimte Haferflocken gibt es im Reformhaus und im Bio-Handel.

Bei einer bestehenden Übersäuerung helfen Haferflocken nicht aktiv, weil sie selbst säurebildend sind. Verschlimmern tun sie die Situation aber auch kaum, solange du sie mit reichlich basischem Obst und Gemüse kombinierst. Im Vergleich zu Weißbrot oder Fleischprodukten sind Haferflocken die deutlich bessere Wahl, weil sie als guter Säurebildner wertvolle Nährstoffe liefern.

Nein. Handelsübliche Haferflocken sind grundsätzlich Vollkorn, weil sie aus dem ganzen Haferkorn gewalzt werden. Ob zart, kernig oder Großblatt spielt für den PRAL-Wert keine Rolle. Alle Varianten liegen bei +10,7.

Glutenfreie Haferflocken unterscheiden sich von normalen Haferflocken nur dadurch, dass sie kontaminationsfrei verarbeitet werden. Der Hafer selbst ist identisch, und damit auch der PRAL-Wert. Glutenfreie Haferflocken sind genauso säurebildend wie herkömmliche.

Ein basisches Frühstück besteht idealerweise aus Obst, Gemüse, Nüssen und Samen. Haferflocken sind zwar nicht basisch, passen aber in ein basisch-betontes Frühstück, wenn die Beilagen stimmen. Ein Porridge aus 50 Gramm Haferflocken mit Banane, Beeren und Pflanzenmilch ergibt in der Gesamtbilanz eine basisch-freundliche Mahlzeit.

Haferflocken streichen, weil der PRAL-Wert hoch ist? Das wäre der falsche Schluss. Als guter Säurebildner liefern sie Nährstoffe, die dein Körper braucht. Mit basischem Obst und Pflanzenmilch im Porridge wird die Gesamtbilanz sogar basisch. Und wenn du deinen Säure-Basen-Haushalt zusätzlich unterstützen möchtest, findest du bei uns im Shop Basenmineralstoffe, die gut in den Alltag passen.

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