Was ist die Zitwerwurzel für eine Pflanze?

Die Zitwerwurzel (manchmal auch als Zitwer, Zittwerwurzel, Safranwurz oder Giftheil bezeichnet) stammt aus Indien und wird auch heute noch in Ostasien als Heilpflanze angewendet. Die Zitwerwurzel gehört zu den Ingwergewächsen und ist eng mit der Kurkuma verwandt. Aus diesem Grund ist sie auch unter der Bezeichnung: Weiße Curcuma beziehungsweise unter den lateinischen Namen Curcuma zedoaris oder Curcuma zerumbeth bekannt. Anders jedoch als die Ingwerwurzel oder die Kurkumawurzel findet die Zitwerwurzel aber weniger Beachtung und gehört zu den heutzutage weniger bekannten Pflanzen. Möglicherweise aber zu Unrecht – und es ist an der Zeit, die Zitwerwurzel wieder etwas mehr ins Rampenlicht zu rücken.

Der Zitwerwurzelstock

Die Zitwerwurzel ist eine krautige Pflanze, die in dem feuchten subtropischen bzw. tropischen Klima Ostasiens wächst und die ursprünglich aus der Gegend zwischen Assam und dem Himalaya in Indien stammt. Sie bildet oberirdisch große, exotische rote Blattsprosse und gelbe Blüten, die bis zu einem Meter (!) groß werden können. Aber auch unterirdisch bildet der Zitwerwurzelstock verzweigte und große Rhizome, die im Inneren Weiß sind. Der Zitwerwurzelstock ist essbar, hat ein ähnlichen Duft und ein Aroma wie Mango oder Ingwer, allerdings einen würzigen und bitter-scharfen Nachgeschmack.

botanische Handzeichnung einer Zitwerwurzel

Die Zitwerwurzel: schon bei Hildegard von Bingen beliebt

Die Araber brachten die Zitwerwurzel im Mittelalter von Asien nach Europa. Damals war die Zitwer als Gewürz und Heilmittel sehr beliebt. Sie wurde auch als eines der Bestandteile des Theriaks verwendet. Theriak nannte sich im Mittelalter eine Mixtur aus 300 verschiedenen Inhaltstoffen, die als universelles Heilmittel galt gegen allerlei Krankheiten und auch gegen Vergiftungen zum Einsatz kam. Im Alt- und Mittelhochdeutschen gab es für die Zitwerwurzel übrigens noch zahlreiche andere Bezeichnungen und Trivialnamen.

Auch die Äbtissin Hildegard von Bingen war von ihren Kräften angetan und empfahl die Zitwerwurzel bei:

  • Kopfschmerzen
  • Verdauungsproblemen
  • als Zitwer-Trank (Zusammen mit Galgant): „Wenn ein Mensch zittert und es ihm an Kraft mangelt“.

Die Zitwerwurzel: Inhaltsstoffe

Als Arzneidroge werden die knolligen Teile des Zitwerwurzelstocks verwendet, die dazu kleingeschnitten und getrocknet werden. Die Zitwerwurzel steckt voller ätherischer Öle, aromatischer Harze, Schleim- und Bitterstoffe. Traditionell wird die Zitwerwurzel für Galle, Leber und Magen verwendet. In der Volksmedizin findet sie vor allem bei Magen-Darm-Beschwerden und zur Magenstärkung Anwendung.

Die Zitwerwurzel: Anwendung

Die Zitwerwurzel wird in Europa seit dem Mittelalter als Bestandteil von Kräutermischungen, Gewürztinkturen, Kräutertränken sowie Magenlikören genutzt. Außerdem ist sie auch heute noch in der Mixtur der traditionellen Schwedenkräuter enthalten. Schwedenkräuter werden als Hausmittel zur Inhalation bei Erkältungen und äußerlich als Salben oder Schwedenbitter bei Hautverletzungen, Herpes oder Warzen angewendet. Den Schwedenkräutern werden allerlei beschwerde- und schmerzlindernde Eigenschaften nachgesagt, die wissenschaftlich allerdings nicht unbedingt belegbar sind.

Zudem kommt Zitwer noch in folgenden Bereichen zum Einsatz:

  • In der Kosmetik: Zitwer soll Haut und Haar kräftigen, glätten und geschmeidig machen. Schwedenkräutersalbe oder Balsam mit Zusätzen der Zitwerwurzel wird als universelle Gesichtscreme mit durchblutungsfördernden Eigenschaften angewendet. Die ätherischen Öle und der stark aromatische Duft der Zitwerwurzel werden auch gerne für die Parfumherstellung verwendet.
  • Als Räucherwerk: Zitwerwurzeln sind beliebt als duftendes Räucherwerk und als Bestandteil von Räuchermischungen.
  • In der Küche: Die aromatische Zitwerwurzel wird zur Likörherstellung genutzt und kommt als Bestandteil von Curry-Gewürzmischungen oder -Pasten zum Einsatz. In der indischen Küche wird Zitwer zum Einlegen von Pickles – also würzig eingelegtem Obst oder Gemüse – genutzt. In Thailand werden junge Zitwerwurzeln sogar als aromatisches Gemüse zubereitet.

Vorsicht Verwechslungsgefahr!

Hier in Deutschland gibt es noch eine andere Arzneidroge, die als Zitwerblüte bekannt ist. Diese stammt jedoch nicht von der Curcuma zedoria sondern von einem stark giftigen, russischen Beifußgewächs (Artemisia cina). Sie wurde früher als Wurmmittel verwendet und ist deshalb unter dem Trivialnamen „Wurmsamen“ bekannt. Vorischt: Wegen der hohen Giftigkeit sollte diese Droge nur rein äußerlich und in Form von Fertigpräparaten angewendet werden! Auch die sogenannte „Deutscher Zitwer“, die Kalmuswurzel, stammt von einer anderen Pflanze (Acoros Calamus) und führte schon im Mittelalter zu Verfälschungen, wenn sie statt der echten Zitwer aus Asien verwendet wurde.